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Juni 2017
Im Fokus
Warum „in 2017“ immer noch für ein Stirnrunzeln gut ist
„Mein Grammatikkurs in 2016 war verheerend“. Sprachkritiker werfen den Verwendern der [in + Jahreszahl]-Konstruktion oft vor, sich eines Anglizismus zu bedienen. Diese These wird zudem noch dadurch gestützt, dass man sie gehäuft im Wirtschaftsbereich findet, dem ja eine überdurchschnittlich hohe Verwendung von Anglizismen nachgesagt wird. Doch ist das wirklich der Fall?

Tatsächlich enthalten bereits deutsche Texte aus dem 18.-19. Jahrhundert das kleine Wörtchen „in“ in Verbindung mit einer Jahreszahl. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass der Zusatz neu oder überhaupt ein Anglizismus ist. Zur damaligen Zeit waren andere Sprachen häufiger in deutschen Landen vertreten, allen voran Französisch, und hatten vielerorts einen größeren Einfluss als das Englische. 
Sieht man sich zudem andere Sprachen in Europa an, dann werden dort ebenfalls Präpositionen vor den Jahreszahlen verwendet: beispielsweise im Spanischen (en 2017), Französischen (en 2017) oder auch Niederländischen (in 2017). Es kann also sein, dass das vermeintlich anglistische präpositionale Unheil gar keines ist, sondern schlicht und ergreifend eine von der Norm abweichende Variante zur Bestimmung eines Zeitraums im Deutschen.

Lassen wir daher einmal die Herkunft der Konstruktion außen vor und betrachten uns die Häufigkeit ihres Vorkommens: Laut einer Untersuchung des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim beträgt ihre Verwendungshäufigkeit, bezogen auf Funde in einer Schriftensammlung aus den Jahren 1600 bis 2009, lediglich 0,6%. Das bedeutet, dass sie innerhalb dieses zwei Milliarden Wörtern umfassenden Korpus, im Vergleich zu geläufigeren Varianten wie beispielsweise „im Jahre 2016“ oder „im Jahr 2016“, äußerst selten vorkommt.

Heutzutage weisen hauptsächlich Texte aus dem Wirtschaftsbereich eine erhöhte Verwendung der [in + Jahreszahl]-Konstruktion auf. Das kann, muss aber nicht, durch die nachgesagte Nähe zum Englischen bedingt sein. Auffällig ist hier aber vielmehr, dass die Konstruktion gerade dann häufig verwendet wird, wenn ein Text Sätze mit einer hohen Zahlendichte besitzt, d. h. viele Zahlen auf engstem Raum zusammenstehen.

Ein Beispiel: „Die Umsatzsteigerung in 2009 betrug 5%, in 2010 5%, in 2011 3% und in 2012 1%.“

Es ist durchaus denkbar, dass in diesen Fällen der Fokus stärker auf die Lesbarkeit des Textes gelegt wurde als auf eine standardsprachliche Umsetzung.

Was bedeutet das nun für den eingangs geschilderten Vorwurf? Die genaue Herkunft lässt sich nicht klären, aber sicher ist, dass die Konstruktion selten ist und ihre Verwendung in den meisten Fällen ein Stirnrunzeln hervorrufen wird. Sie ist zwar standardsprachlich bei weitem nicht dominant, taucht aber hier und da in bestimmten Fachbereichen auf. Wer also standardsprachlich auf Nummer sicher gehen möchte, der lässt das in einfach weg und benutzt lediglich die Jahreszahl. Wem das jedoch zu wenig Text ist, der ersetzt einfach das in durch ein im und ergänzt das Wort Jahr vor der Jahreszahl. Damit kann man auch im Jahr 2017 nicht falschliegen.
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