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November 2016
Im Fokus
Eine kurze Geschichte des Dolmetschens
Dass römische Kaiser teilweise nicht zu Unrecht Angst vor Verrat und Mord durch Usurpatoren hatten, wird am Beispiel einer Überlieferung aus der Regierungszeit Caracallas deutlich: Da wird berichtet, dass der römische Kaiser die bei geheimen Verhandlungen anwesenden Dolmetscher im Anschluss umbringen ließ, um sich der letzten außenstehenden Mitwisser jener Treffen zu entledigen. Dieser Ausschnitt aus der langen Geschichte des Dolmetschens bildet aber glücklicherweise eine Ausnahme: Seit Urzeiten waren Dolmetscher für den Kontakt mit fremden Völkern unerlässlich und teilweise hochgeschätzt. Übrigens gelangte das Wort Dolmetschen über die slawischen Sprachen ins Deutsche und bezieht sich auf das türkische Wort dilmaç, das „Vermittler zwischen zwei Parteien, die unterschiedliche Sprachen sprechen“ bedeutet.

Ungefähr im Jahre 3.000 v. Chr. wurden Dolmetscher im alten Ägypten zum ersten Mal erwähnt und einem relativ niedrigen Stand zugeordnet. Sie wurden hauptsächlich im Bereich des Handels eingesetzt, um mit den, aus ägyptischer Sicht, „barbarischen“ Völkern der Nubier und Libyer sowie den asiatischen Kulturen zu kommunizieren. Leider gibt es nicht genügend Quellen, die einen detaillierten Einblick in die Arbeit der Dolmetscher zu dieser Zeit geben könnten. Ähnlich verhielt es sich zu Zeiten des römischen Reiches und des antiken Griechenlands, die mit den Ägyptern zwar eine ähnlich abschätzige Meinung hinsichtlich ihrer Nachbarn teilten, den Dolmetschern aber doch etwas wohlgesonnener waren – mit Ausnahme des oben erwähnten Kaisers.

Etwas mehr Licht ins Dunkel brachten Spät- und Hochmittelalter, als sich die Erwähnungen von Dolmetschern stark häuften. Sie wurden hauptsächlich im Rahmen der Kreuzzüge benötigt, als die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Kreuzfahrern und Bevölkerung nicht mehr zu überwinden waren. Auch bei missionarischen Tätigkeiten in fremden Ländern erwies sich die Hilfe dieser Dolmetscher als unerlässlich. Doch die Inhalte der in diesem Bereich geführten Gespräche waren nur äußerst schwer zu dolmetschen. Das bot natürlich allerlei Zündstoff und trug dazu bei, dass Dolmetschern weniger Vertrauen entgegengebracht wurde, als noch zuvor.

Erst Jahrhunderte später in der Neuzeit wurde man sich der Bedeutung der Dolmetscher wieder stärker bewusst. Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurden erste professionelle, das heißt: technikunterstützte, Simultandolmetscheinsätze durchgeführt, die eine deutliche Verkürzung der Veranstaltungsdauer zur Folge hatten. Zu weltweiter Berühmtheit des Simultandolmetschens trugen nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Nürnberger Prozesse bei, während derer das fast zeitgleiche Verdolmetschen eine erhebliche Verkürzung der Redezeit und damit der Prozessdauer bedeutete. Heutzutage sind die Fähigkeiten von Sprachmittlern kaum mehr wegzudenken, denn der Wunsch nach einer direkten Übersetzung des Gesprochenen wird von Teilnehmern oder Zuschauern teilweise erwartet. Das zum Glück nur sprachbedingte, fehlende gegenseitige Verständnis gilt den meisten Menschen als ein Dorn im Auge, als eine uralte Last, derer man sich heute mehr denn je entledigen möchte. Doch bis der Babelfisch in unseren Ohren steckt, wird noch einige Zeit vergehen und bis dahin werden menschliche Dolmetscher unentbehrlich bleiben. Wie es schon, nachgewiesener Weise, seit rund 5.000 Jahren der Fall ist.
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