Beipackzettel 39
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November 2016
mt-g intern
Interview mit zwei ehemaligen Dolmetschern
Mikhail Evstyugov-Babaev und Elena Shvets
Zur Angebotspalette von mt-g gehören nicht nur Übersetzungen, sondern auch Dolmetschdienstleistungen. Und auch unter den Projektmanagern von mt-g finden sich Dolmetscher. Wir möchten Ihnen daher zwei dieser Mitarbeiter näher vorstellen. Beide arbeiten im Team Medizintechnik und haben vor Beginn Ihrer Anstellung als Dolmetscher gearbeitet.

mt-g: Für unsere Leser ist es sicherlich interessant zu erfahren, wo und was genau Sie studiert haben.
Elena Shvets: Ich habe an der Universität Mainz, im Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim meinen Master in Konferenzdolmetschen abgeschlossen und bin Konferenzdolmetscherin in den Sprachen Deutsch, Englisch und Russisch. Ich dolmetsche Deutsch-Russisch in beide Richtungen und aus dem Englischen ins Russische.
Mikhail Evstyugov-Babaev: Meinen Abschluss habe ich in Saarbrücken im Fachbereich Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen gemacht und habe die Universität als Diplom-Übersetzer verlassen. Meine Arbeitssprachen sind Englisch und Französisch.

mt-g:
Wie muss man sich einen solchen Dolmetschstudiengang vorstellen? Man wird vermutlich nicht um praktische Übungen herumkommen?
ES: Genau, der praktische Teil des Studiums überwiegt, was sinnvoll ist. Wir hatten eigens für Dolmetschübungen eingerichtete Räume mit Dolmetschkabinen, in denen die Arbeit als Dolmetscher nachgestellt werden konnte. Dabei übte man sowohl im Konsekutiv- als auch Simultandolmetschen und konnte sich somit anhand praktischer Aufgabenstellungen an die jeweiligen Dolmetscharten herantasten.

mt-g:
Das ist sicherlich sehr aufregend, alleine in der Dolmetschkabine zu sein oder vor der Gruppe zu dolmetschen?
ES: Das ist es, auch wenn man beim Simultandolmetschen üblicherweise noch einen Partner an der Seite hat, mit dem man sich abwechselt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass jeden Freitag echte Konferenzen in den Konferenzräumen stattgefunden haben, die von uns Studenten gedolmetscht wurden. Dazu wurden die Kabinen mit verschiedenen Studenten und damit unterschiedlichen Sprachen besetzt und man musste die Redner und die Diskussion im Anschluss an die Vorträge dolmetschen. Natürlich saßen auch die Dozenten im Publikum und haben unsere Leistungen bewertet. Da hatte man natürlich den doppelten Druck auf sich lasten. Wenn ich jetzt so zurückdenke, hätte ich diese Übungen aber nicht missen wollen – sie bereiten sehr gut auf die tatsächliche Arbeit in dieser Branche vor.

mt-g:
Das kann ich mir gut vorstellen. Sie beide haben also schon einmal in dieser Branche gearbeitet?
MEB: Ja, nach dem Studium wollte ich mit dem gewonnenen Wissen und den erlernten Fähigkeiten etwas anfangen und habe mich gleich als freiberuflicher Übersetzer und Dolmetscher in die Wirtschaft gestürzt, was schon ein ziemliches Abenteuer war.

mt-g:
Inwiefern?
MEB: Meine Aufträge führten mich auf Ölplattformen und Bohranlagen in ganz Europa. Diese Einsätze waren äußerst komplex. Man musste sich in die Thematik erst intensiv einlesen, um die gleiche Sprache zu sprechen wie die Menschen vor Ort. Flexibilität war oberste Priorität. Da konnte es schon einmal passieren, dass man mitten in der Nacht angerufen wurde, um 12 Stunden später abgeschieden in der französischen Einöde auf einer Bohranlage zu dolmetschen. In einem Jahr kam ich dann spielerisch auf 140 Reisetage, während denen man als Dolmetscher ununterbrochen gefordert ist: Die Kommunikation muss ständig aufrechterhalten werden, sowohl auf der Arbeit als auch später bei einem Feierabendbier an der Hotelbar. Man ist also in einem ständigen Austausch mit den jeweiligen Ansprechpartnern – was äußerst herausfordernd und nervenzehrend sein konnte.
ES: Ich habe mich nach dem Studium dagegen nicht selbständig gemacht, aber schon währenddessen im Rahmen eines Theaterfestivals gedolmetscht und als Mitglied in einem freiwilligen Dolmetschdienst soziale Einrichtungen unterstützt. Die hohen Anforderungen in der Wirtschaft habe ich aber auch am eigenen Leib erfahren, als ich für ein halbes Jahr bei einem Automobilkonzern als Praktikantin angestellt war. Dort habe ich über die volle Praktikumsdauer hinweg als Verhandlungsdolmetscherin gearbeitet. Heute arbeite ich noch ehrenamtlich als Dolmetscherin für die Stadt Ulm.

mt-g:
Das hört sich in der Tat sehr fordernd an. Von solchen Umständen abgesehen: Was stellte für Sie als Dolmetscher die größte Herausforderung dar?
MEB: Es ist häufig schwierig, die Essenz aus den Gesprächen herauszuholen. Im Gegensatz zum Konsekutiv- oder Simultandolmetschen kann man beim Gesprächsdolmetschen zwar auch noch kurz nachfragen, ob etwas tatsächlich so gemeint ist, wie es gesagt wurde. Aber oftmals sind sehr viele Emotionen im Spiel, die es schwierig machen, die eigentliche Aussage des Gesprochenen herauszuholen. Als ich auf den Ölplattformen gearbeitet habe, waren die Nerven doch sehr angespannt, es ging meist um sehr viel Geld und durchzuführende Aufgaben wie beispielsweise Reparaturen an wichtigen Teilen, die keinen großen Zeitpuffer hatten. Man benötigte daher auch eine große Menge Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis.
ES: Bei mir ging es weniger um das Herausfiltern der Information, sondern vielmehr darum, nichts in meiner Verdolmetschung auszulassen. In der Regel macht der Gesprächspartner nach ein paar Sätzen eine kurze Pause, damit der Dolmetscher das Gesagte verdolmetscht.
Jedoch neigen viele Sprecher dazu, in der Hitze des Gefechts sehr lange zu reden und vergessen dabei, dass der Dolmetscher anwesend ist und dolmetschen muss. Beim Gesprächsdolmetschen ist es jedoch so, wie Mikhail bereits gesagt hat, dass man sich durch eine Nachfrage vergewissern kann, ob man alles richtig verstanden hat und kann dementsprechend das Gesagte richtig wiedergeben.
Sollte man beim Simultandolmetschen eine wichtige Information vergessen, dann geht sie eben verloren – außer man hat Zeit, seinen Fehler zu korrigieren, aber meistens hat man diese nicht. Die kognitive Herausforderung, also das Zuhören und fast gleichzeitige Wiedergeben des Gesprochenen ist tatsächlich die größte Herausforderung.

mt-g:
Da lag bei Ihnen beiden sehr viel Verantwortung auf den Schultern. Jetzt sind Sie beide bei mt-g als Projektmanager angestellt. Hand aufs Herz: Was macht Ihnen mehr Freude? Dolmetschen oder Projektmanagement?
ES: Das Dolmetschen hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe gerne mit den Menschen zusammengearbeitet. Aber ich muss sagen, dass mich die Arbeit nicht komplett ausgefüllt hat, man war doch nur ein Medium oder Sprachrohr und konnte damit nur sehr wenig bis nichts von sich selbst einbringen. Das fand ich im Nachgang schade. Daher arbeite ich sehr gerne im Projektmanagement und bin damit zufrieden.
MEB: Mir ergeht es ähnlich. Ich hätte zweifellos meine Freude daran, noch weiter in dieser Branche zu arbeiten, denn ich mochte die Freiheit, das Dolmetschen und auch das Reisen, wenn auch hier mit vielen Abstrichen. Denn das ständige Reisen und das Fernbleiben von Zuhause kann ich heutzutage nicht mehr so auf die leichte Schulter nehmen, wie es damals, kurz nach dem Studium, der Fall war. Ich könnte es mir also vorstellen, aber sicher nicht mehr in dem Umfang wie früher. Und: Im Projektmanagement habe ich so viele Sachen gelernt wie selten zuvor in meinem Leben und das Arbeiten hier macht mir sehr viel Spaß.

mt-g:
Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!
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