Beipackzettel 38
Wissenswertes für Kunden und Partner von mt-g.
September 2016
Dienstleistungen
Terminologie – Übersicht
Wenn man in die Welt der Übersetzungen gerade erst vorstößt, sich mit den verschiedenen Themen vertraut macht, dann sind einige Bereiche nicht ganz so klar umrissen, wie es bei anderen der Fall ist. Der Themenbereich rund um die Terminologieverwaltung ist einer jener Aspekte der Übersetzungsbranche, bei dem die Vorgehensweise nicht immer sofort ersichtlich ist. In unserer Reihe „Terminologie“ erklären wir, wie die Arbeit an den Dokumenten genau funktioniert und welche Überlegungen angestellt werden müssen, um langfristig ein erfolgreiches Terminologiemanagement zu betreiben. Dieser Artikel markiert den Anfang und gibt eine Übersicht über die anfallende Grundlagenarbeit in diesem Bereich, bevor wir in den nächsten Ausgaben mehr ins Detail der Terminologiearbeit gehen.

Auch wenn Terminologie als Begriff nicht so präsent wie zum Beispiel Translation Memory ist – das beinahe schon als geflügeltes Wort gilt – , so ist sie dennoch nicht zu verachten. Dass sie wenig beachtet wird, ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Translation Memorys einen direkten Einfluss auf die Übersetzungskosten haben und einen großen Teil zur offensichtlichen und spürbaren Reduzierung von Kosten beitragen und damit die Aufmerksamkeit eher auf sich lenken, während die Vorteile einer gelungenen Terminologiearbeit nicht auf gleiche Weise direkt spürbar sind.

Grundlagen – Terminologiearbeit und Termdatenbank
Bevor wir auf die Vorteile eines guten Terminologiemanagements eingehen, werfen wir einen Blick auf die Grundlagenarbeit. Häufig wissen Unternehmen, die an uns herantreten, gar nicht, wo sie mit der Terminologiearbeit beginnen sollen – daher bestehen oftmals noch keine Glossare oder Auflistungen, in denen Termini gesammelt wurden. Hier kommen wir auch schon zum eigentlichen Punkt: Ein Term muss seinen Weg aus der Dokumentation in eine entsprechende Datenbank schaffen. Welche Dokumente hierbei als Grundlage dienen sollen, welche Fachbereiche beteiligt werden, welche Begriffe bereits jetzt schon obsolet sind und was mit neu gefundenen überflüssigen Wörtern gemacht werden soll – all diese Überlegungen sollten Einzug in ein Konzept finden, das vor der Termextraktion festgelegt wird. Denn die Termextraktion, sprich das Identifizieren und Auswählen von Termini in der Dokumentation, ist der Kern der Terminologiearbeit. Dieser Schritt, der den Kurs für das Wording in der Dokumentation festlegt und Texter sowie Redakteure für absehbare Zeit an eine bestimmte Benennung bindet, ist in gewissem Maße auch eine strategische Entscheidung, die wohlüberlegt sein will. Ein gelungenes Terminologiemanagement zeichnet hauptsächlich für die langfristige und umfassende Konsistenz innerhalb der Dokumentation eines Unternehmens verantwortlich, die als Nebenziel die branchen- bzw. unternehmensbezogene Abgrenzung haben kann und wiederum dazu dient, Alleinstellungsmerkmale gegenüber Konkurrenzprodukten zu erzeugen. Jene erhöhte Konsistenz sichert, verkürzt und verschlankt den Übersetzungsprozess, da potentieller Korrekturaufwand reduziert werden kann und dadurch möglicherweise Korrekturschleifen entfallen können.

Ob die Termextraktion händisch oder semi-automatisiert durchgeführt wird, ist in erster Linie eine Frage der vorhandenen Ressourcen. Der Trend geht heutzutage eindeutig zur semi-automatisierten Variante, bei der ein Terminologe mithilfe einer Software Termini extrahiert und im Anschluss daran entscheidet, welche Wörter tatsächlich übernommen werden sollen. Ob halbautomatisch oder manuell, in jedem Fall ist es ein zeitaufwändiger Prozess, Dokumente eines Unternehmens nach Termini zu durchsuchen, abzugleichen und Überflüssiges über Bord zu werfen. Hierbei spielt der geplante Umfang der Terminologiearbeit eine Rolle. Ob die Zielsetzung auf einer groß angelegten Bereinigung mit vielen Dokumenten beruht oder ob mit nur wenigen Dokumenten sehr intensiv gearbeitet wird: für beide Optionen gilt, dass zentrale, freigegebene Dokumente mit einer hohen Termdichte herangezogen werden sollten, um den Aufwand in einem vertretbarem Rahmen zu halten. Sobald das Grundgerüst steht, das heißt, eine Liste mit entsprechenden Termini erstellt wurde, ist auch der Großteil der Arbeit in der Ausgangssprache geschafft.

Eine solche Termdatenbank ist sehr viel mehr wert, als sie zuerst den Anschein haben mag – es ist eine Investition in die Struktur und die Konformität bzw. Konsistenz der Dokumentation eines ganzen Unternehmens. Übrigens: Ob eine Termdatenbank in Excel gepflegt oder gleich in eine entsprechende Termdatenbanksoftware investiert wird, ist zunächst zweitrangig – die meisten Programme bieten Exportfunktionen, um den Inhalt in verbreitetere Formate (z.B. .csv-Dateien) auszuspielen. Es ist allerdings zu beachten, dass die proprietären Datenbanken der einzelnen Hersteller möglicherweise in das gleiche Format exportieren, ein Reimport in ein anderes System mitunter nicht ohne erheblichen Aufwand möglich ist. Wichtig ist daher, dass die Kompatibilität der exportierten Dateien auf Seiten des Sprachdienstleisters gewährleistet wird – wir stehen unseren Kunden zur Verfügung und prüfen gemeinsam, ob solch ein Austausch problemlos möglich ist.

Der Weg zu den zielsprachlichen Termini

Das weitere Vorgehen wird dadurch bestimmt, ob bereits zu früheren Zeiten Übersetzungen angefertigt wurden und deren Qualität für eine Weiterverwendung geeignet ist. Gibt es auf Kundenseite schon freigegebene fremdsprachliche Dokumente, so muss der gleiche Prozess auch mit jenen Dokumenten durchgeführt werden, die den zielsprachlichen Gegenpart der Ausgangsdokumente darstellen. Die entsprechenden Übersetzungen der Termini werden Sprache für Sprache in die Termdatenbank implementiert und fest mit dem Term der Ausgangssprache verbunden. Eine kleine Abkürzung kann dann genommen werden, wenn die vorhergehenden Übersetzungen in CAT-Tools bearbeitet und dadurch TMs angelegt wurden. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit einer zweisprachigen Termextraktion. Sollten allerdings noch keine zielsprachlichen Dokumente vorhanden sein, so bietet es sich an, die Termdatenbank zu übersetzen und freizugeben.

Nach diesem letzten Schritt hält man seine Datenbank in den virtuellen Händen und hat somit eine Grundlage für zukünftige, konsistente Übersetzungen geschaffen. Damit diese Konsistenz bei kommenden Übersetzungen auch beibehalten wird, senden wir unseren Übersetzern immer Glossare oder Termdatenbanken mit, sofern wir diese zur Verfügung gestellt bekommen. Wir bereiten die von den Kunden erhaltenen Termdatenbanken auf und binden sie in unsere CAT-Tools ein und stellen damit sicher, dass der Übersetzer während der Übersetzung direkt auf die Termini zugreifen kann, ohne dabei das Programm wechseln zu müssen. Die CAT-Tools erkennen dabei, ob sich in einem Übersetzungssegment ein Begriff befindet, der auch in der Termdatenbank vorhanden ist und schlagen diesen Term dem Übersetzer vor. Verschiedene Prüfmechanismen innerhalb von Across oder SDL Trados Studio erkennen, ob es möglicherweise bei der Übersetzung von Termini Abweichungen zu den in der Termdatenbank hinterlegten Begriffen gibt. Der Übersetzer erhält eine entsprechende Information und entscheidet dann, ob eine Korrektur nötig ist oder nicht.

Nutzen und weitere Anwendung

Es ist leicht vorstellbar, dass diese Thematik bei ansteigender Dokumenten- und Sprachanzahl sehr komplex werden kann. Daher geben unsere Kunden häufig die Terminologieverwaltung in unsere Hände und vertrauen auf unsere Expertise in diesem Bereich. Übersetzungsaufträge bieten sich immerzu an, neue Terminologie effizient aufzunehmen, das heißt, ohne viele Umwege, direkt über den Fachübersetzer in die Termdatenbanken eintragen zu lassen. Natürlich bieten wir über die verschiedenen Freigabeprozesse den Kunden die Möglichkeit, aktiv diese Begrifflichkeiten zu überprüfen und zu verändern – so bleibt die Freigabe der Begriffe stets auf Kundenseite. Werden Änderungen auf Kundenseite vorgenommen, sollten diese an uns weitergeleitet werden, damit eine dauerhafte Verwendung der freigegebenen Terminologie während des ganzen Lebenszyklus eines Dokuments gewährleistet werden kann.

Da wir nun einen Überblick darüber haben, welche Schritte der Aufbau einer Terminologiedatenbank nach sich zieht, kommen wir an dieser Stelle auf die zuvor erwähnten Vorteile zurück: Obwohl die Einführung eines Terminologiemanagements initial einen Aufwand darstellt, sinken die nachfolgenden Kosten sukzessive, bei gleichzeitig steigendem Nutzen. Durch ein erfolgreiches Terminologiemanagement erhöht das Unternehmen die Qualität seiner Dokumente durch die konsistente Verwendung von Terminologie, resultierend in einer Zeit- und Kostenersparnis im Übersetzungsprozess. Aus diesem Grund investieren Automobilbauer, Softwarekonzerne oder andere Global Player jährlich Unsummen in diesem Bereich.

Wenn Ihnen dieser Auftakt gefallen hat, dann dürfen Sie sich schon auf die nächsten Ausgaben des Beipackzettels freuen, in denen wir näher auf die Durchführung einer Termextraktion eingehen und Ihnen zeigen werden, auf welche Art und Weise Übersetzer mit Ihrer Terminologie arbeiten.

Wenn mt-g Sie in der Zwischenzeit bei Ihrem Terminologiemanagement unterstützen soll, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir helfen Ihnen von der Termextraktion bis zur dauerhaften mehrsprachigen Terminologieverwaltung.

Kontakt:

Bernd Mayer
Mitglied der Geschäftsführung, Leiter Kunden- und Projektmanagement
berndmayer(at)mt-g.com
+49 731 176397-30
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